Über die Krise des Auslandsjournalismus

"Königshäuser gegen Kriegsgebiete"
2.12.2008: Netzwerk Recherche, der Interessenverband investigativ arbeitender Journalisten in Deutschland, veröffentlichte eine interessante Studie über die Zustände in der Auslandsberichterstattung, die anschaulich macht, wie einige "blinde Flecken" in der sogenannten "freien Presse" zustande kommen. Am Ende fragt man sich, ob aus einzelnen "blinden Flecken" nicht schon ein Flickenteppich geworden ist. Wir wollen mit einigen Auszügen auf die gesamte Studie neugierig machen.

Die Analyse von Lutz Mükke, der zu diesem Themenfeld promoviert, beschäftigt sich mit den Folgen des ökonomischen und technischen Wandels in der Medienlandschaft auf den Arbeitsalltag der Auslandskorrespondenten, wo "der Spagat zwischen den gesellschaftlichen Aufgaben (des Journalismus) und seiner kommerziellen Ausrichtung" "zunehmende Brennpunktberichterstattung, Verkürzung und Boulevardisierung von Auslandsberichterstattung" begünstigt.

Auslandsberichterstattung beruht auf weltweiten Korrespondentennetzen, die sich wegen der damit verbunden Kosten nur überregionale Medien wie ARD, ZDF in öffentlichem Auftrag, Spiegel, SZ, FAZ, Handelsblatt, dpa oder die taz leisten können. Insbesondere private Medien verzichteten mehr und mehr auf diesen Luxus: "private TV-Sender wie N24 und NTV meinen ganz ohne feste Korrespondenten und entsprechende Büros auskommen zu können. In ihren Selbstdarstellungen nennen sie jeweils nur sechs Korrespondenten, mit denen sie 24 Stunden Nachrichten aus aller Welt abbilden wollen."

Das mediale Interesse folgt wirtschaftlichen, politischen und zunehmend auch wieder militärischen Aktivitäten, zu Korrespondentenstandorten werden deshalb US-amerikanische und europäische Machtzentren oder dauerhafte Krisenherde mit großer geopolitischer Bedeutung, zur absoluten Nachrichtenperipherie werden auf diese Weise der Pazifische Raum, Subsahara Afrika (mit Ausnahme von Südafrika), Zentralasien und Lateinamerika, wo einzelne Journalisten häufig für die gesamte Region zuständig sind und inhaltliche "Allrounder von Politik über Wirtschaft und von Kultur bis hin zur Boulevard- und Kriegsberichterstattung" sein müssen. Wenn in den Leitmedien dpa, FAZ, SZ und Spiegel Afrika-Korrespondenten 60 bis 90 Prozent aller größeren Reportagen über das Berichtsgebiet schreiben, spricht das nicht gerade für Meinungsvielfalt.

"Alle einigen sich auf eine Interpretation und der, der dieser nicht folgt, ist entweder ein Radikaler oder ein Verrückter.″

Die jüngsten technischen Revolutionen der Massenmedien brachten durch erleichterte Telefonate, emails und das Internet einerseits Arbeitserleichterungen, andererseits erhebliche Gefahren: Die wachsende Informationsflut erfordern "redaktionelle Strukturen und personelle Ressourcen, die es Journalisten überhaupt erlauben, Ausschnitte dieser Informationsflut wahrzunehmen und aus dieser Themen-, Deutungs-, Daten- und Meinungsvielfalt zu schöpfen. Der mit der Digitalisierung des Journalismus eingetretene hochbeschleunigte Produktions- und Konkurrenzdruck führt jedoch oft zum Gegenteil: Journalisten sitzen täglich vor ihrem Computern, Radios und Fernsehern und verfolgen die Themenagenden der eigenen Branche, wobei sie auf zwei Mediengruppen fokussieren – die direkte Konkurrenz und die nationalen und internationalen Leitmedien und Agenturen. Allein der Verweis darauf, CNN, BBC, Reuters, Spiegel-Online oder dpa haben dieses oder jenes Thema, ist heute ein Verkaufsargument. Das Resultat: potenzierter Mainstream."

Die Ansprüche an Aktualität zwingt die Journalisten zu Schreibtischjournalismus, der statt eigener Recherchen den Rückgriff auf größere Leitmedien mit fingierten O-Tönen verbindet und so Schein-Authentizität″ hervorruft. Damit korrespondiert ein zunehmend laxer Umgang mit der Verwendung von Ortsmarken. Eine Ortsmarke ist nicht mehr der Ort, an dem der Berichterstatter sich befindet. "Es genügt der dpa, mit einem Ort telefoniert zu haben, um dessen Ortsmarke zu verwenden."

In dieser Umgebung wandelt sich das Selbstverständnis des Auslandsjournalisten. Journalismus wird zunehmend "als Teil einer Marktwirtschaft begriffen, in der nun einmal Angebot und Nachfrage den journalistischen Bewegungs- und Handlungsspielraum sowie die Themenauswahl bestimmen. Heimatredaktionen erwarten von den Korrespondenten schnelle, passgenaue, gut absetzbare Beiträge, "nachgefragt werde meist Krisen und Bunt.″ Hintergründige, umfangreiche und aufwendige Dokumentationen über gesellschaftspolitische Themen sind kaum mehr gefragt. Georg Ruhrmann, Professor Medienwissenschaftler an der Universität Jena, konstatiert: Während die politische Berichterstattung seit 1992 in den Hauptnachrichtensendungen aller Sender kontinuierlich zurückgeht, nimmt die Berichterstattung über Angstthemen auf allen Kanälen zu.″

Die zunehmende Konzentration auf Brennpunkte bringt ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. In den vergangenen 50 Jahren wurde beispielsweise zunehmend über Kriege, Krisen und Katastrophen berichtet, obwohl der Human Security Report der Fraser University in Vancover eine deutliche Abnahme der Zahl der Kriege seit den 1990er Jahren konstatiert. Auch in einer Analyse der Kommunikationswissenschaftler Kai Hafez und Carola Richter an der Universität Erfurt zum Das Islambild von ARD und ZDF″ wird bestätigt, dass 81 Prozent aller Thematisierungen zu negativ konnotierten Themen stattfanden.

Nicht nur freie Korrespondenten "haben sich bei ihrer Themenwahl permanent Kosten-Nutzen-Analysen zu unterwerfen." Nur selten sind die Redaktionen gewillt oder in der Lage, gründliche Recherchen zu finanzieren oder Personal dafür freizustellen. Auslandskorrespondenten haben "aktuell und angepasst an vorgegebene Sendelängen und Formate die anfallenden Höhepunkte abzubilden und ab und an - aber nicht zu oft - ein paar eigene Themenideen zu liefern."

Peter Scholl-Latour dazu in einem epd-Interview:

"Dieser Gehorsam ist weniger vorauseilend, er wird vielmehr oft direkt gefordert. Jemand, der nicht ein so alter Mann ist wie ich, hätte einen Film wie Lügen im Heiligen Land′ nicht produzieren können. Wegen angeblich allzu kritischer Betrachtung Israels hätten andere ernsthafte Schwierigkeiten bekommen. Auch bei mir gab es in diesem Fall solche Stimmen, doch Dieter Stolte als ZDF-Intendant ist stark geblieben.″

Afghanistan: Propaganda und Ignoranz

"Im Zeitraum von 2006 bis 2008 reisten 230 Journalisten mit der Bundeswehr nach Afghanistan. Wobei es sich bei weitem nicht nur um Lokaljournalisten handelte, die wagemutig ihre finanzschwache Provinzredaktion verlassen. Etwa die Hälfte der Mitreisenden seien Journalisten, so die Auskunft des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, die für überregionale Medien arbeiten.

Die Bundeswehr professionalisiert ihren Propaganda-Apparat zusehends. In den zurückliegenden Jahren hat sie sowohl für das Kommunizieren an der Heimatfront als auch für die Ansprache der eigenen Truppe sowie der Bevölkerung in Einsatzländern personell massiv aufgestockt. Über 1.000 Haupt- und Nebenamtliche arbeiten allein im Bereich der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit (Duchscherer 2008). Noch fehlt zwar eine zentrale Abteilung für strategische Kommunikation, doch über deren Fehlen wird diskutiert. Einkalkuliert ist: Wenn sich Journalisten in gefährlich wahrgenommenen Umgebungen eingebettet bewegen, ist der Bundeswehr deren Zuneigung und inhaltliche Fokussierung so gut wie sicher.

Und wie verhalten sich die Leitmedien der Bundesrepublik in Afghanistan: Zwar stehen dort seit sieben Jahren Tausende deutscher Soldaten, zwar sind Tote auf deutscher und afghanischer Seite zu beklagen, zwar droht der Krieg der westlichen Armeen sich noch stärker auszuweiten, zwar fehlen Ausstiegszenarien genauso wie auch klare Zielsetzungen beim Einstieg fehlten, zwar greift das zivile Aufbauprogramm bei weitem nicht im notwendigen Maß. Aber trotz aller Brisanz: Deutsche Massenmedien halten es nicht für notwendig, in diesen in vielerlei Hinsicht zentralen Krieg eigene Korrespondenten als permanente Beobachter zu entsenden. Selbst der öffentlich-rechtliche Rundfunk meint, den Afghanistan-Krieg mit gelegentlichen Besuchen einzelner Reporter und von Korrespondenten, die in Neu Delhi, Teheran oder Istanbul stationiert sind, kompetent begleiten zu können. Afghanistan wie auch der Irak gelten mittlerweile als Katastrophenfälle abendländischer Außenpolitik und bei derartiger Ignoranz müssen sich die Leitmedien der Bundesrepublik fragen lassen, in wie weit es sich dabei nicht auch um journalistisches Totalversagen handelt. Dezidierte wissenschaftliche Analysen dazu muss die Medienund Kommunikationswissenschaft jedoch erst noch erbringen.

Woran liegt es nun, dass die Medien der Bundesrepublik derart ignorant mit dem Land umgehen, in dem der größte, verlustreichste und teuerste Kriegseinsatz rollt, seit die Bundeswehr existiert? Weshalb bringen die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten Zeit, Personal, Sendeplatz und Finanzen auf, um die Berichterstattung zur Olympiade in Peking – auch eine Art Auslandsberichterstattung – zwei Jahre im Voraus zu planen, dann 650 Mitarbeiter nach China zu schicken und wochenlang zu berichten, halten es jedoch nicht für nötig, auch nur einen einzigen Korrespondenten in Afghanistan zu stationieren?

Auf einer gut besuchten Podiumsdiskussion in Berlin hält ARD-Reporter Ashwin Raman dem Stellvertretenden ZDF-Chefredakteur Elmar Theveßen diesen Zustand vor. Theveßen versucht seine Haut mit den Hinweisen zu retten, dass ZDF habe in Kabul doch einen ständigen Stringer″. Außerdem seien die Kollegen, die nach Afghanistan reisen, seit Jahren immer dieselben (sprich kompetent) und die Zentrale müsse dazu noch die Sicherheitsrisiken für ihre Mitarbeiter bedenken. - Letztlich stelle sich den Verantwortlichen die Frage: Haben wir genügend erfahrene Kollegen, die Ausbildung, Erfahrung haben, um Risiken einzuschätzen?″

Fragesteller Raman ist nicht irgendwer. Er weiß, wovon er redet, ist er doch einer der fähigsten Reporter, der für die ARD im Irak und Afghanistan unterwegs ist. Seine hintergründigen Dokumentationen werden international wahrgenommen und gewürdigt. So sehr sich Raman von großen Worten fernhält und Understatement kultiviert, so hart ist der in Indien Geborene in seiner Kritik an der deutschen Afghanistan-Berichterstattung. In einer Polemik schreibt er: Wer sich über Afghanistan wirklich informieren will, kann sich nicht einmal auf das öffentlich-rechtliche Fernsehen verlassen. Die Berichte sind tendenziös und inkompetent. Berufsverbote sind niemals zu befürworten - bis auf eine Ausnahme: Deutsche Journalisten sollten in Afghanistan nicht arbeiten dürfen. Denn ihre Berichterstattung ist tendenziös, miserabel, inkompetent und dilettantisch. Sie können es allemal mit ihren indischen Kollegen aufnehmen, die über die schneebedeckten Berge im Ruhrgebiet schreiben.″

Boulevardisierung: Quoten und Entgrenzungen

Die kunden-, erfolgs- und quotenorientierte ausrichtung der Berichterstattung begünstigt nicht nur eine Abnahme politisch-gesellschaftlicher Berichterstattung, sondern fördert die Orientierung an Sensationalismus und Emotionen sowie tradierten Stereotypenkomplexen. "Mehr als drei Viertel der deutschen Afrika-Korrespondenten sind der Meinung,
dass das Barbarische an Afrika, das Herz der Finsternis′, nach wie vor eine große Faszination in der
Berichterstattung ausübe. Die dabei mitschwingende, faszinierende Angst ließe sich gut verkaufen.
Auf Afrika werden vor allem Angst- und Mitleidsbilder projiziert." "Neue Themen werden auf alte Stereotypenkomplexe gepflanzt und in veränderter stilistischer Form präsentiert, unter anderem kürzer, personalisierter, zugespitzter. Im Zuge der aktuellen Boulevardisierung gewinnen Tiergeschichten, Tourismus, ethnografische Folklore, Obskures, Absonderliches, Life-style und Abenteuerliches sowie der Deutschlandbezug an Bedeutung. Politische und gesellschaftliche Analyse, Hintergrundberichterstattung sowie originär afrikanische Themen, Handlungsträger und Quellen, d.h. Themen ohne Deutschlandbezug, ohne Bezug zur westlichen Welt und Prominenz, verlieren hingegen an Gewicht."

"Mehr als zwei Drittel der deutschen Afrika-Korrespondenten gehen beispielsweise davon aus, dass ihr Berichtsgebiet als Themenlieferant für exotische Geschichten gebraucht werde oder um im Themenmix der Medienhäuser die Katastrophen abzudecken. Afrika muss häufig als Illustrationskontinent″ für alle Menschheitsplagen und Welttage herhalten. Besonders an Weltwasser-, Weltaids- oder Welthungertagen muss der Kontinent für die massenmedial kolportierte PR von Hilfsorganisationen herhalten."

Gesteuert: Auslandsberichterstattung und PR

Auch die Auslandsberichterstattung bleibt von wachsendem Einfluß des PR-Sektiors nicht verschont. Im gegenteil: im Kampf um politischen Einfluss, Krieg oder Frieden kommen harte Bandagen zum Einsatz:

  • der embedded journalism ist eines der offenkundigsten PR-Instrumente.

  • andere PR-Maßnahmen zum Initiieren, Steuern und Manipulieren öffentlicher Diskurse durch große Strippenzieher der PRBranche wie Burson-Marsteller, Hill & Knowlton, Ketchum, Fleishmann-Hillard oder Edelman laufen weitgehend hinter den Kulissen ab.


Die Vorbereitung von Kriegen

"Massenmediale Berichterstattung kann Kriege legitimieren oder delegitimieren. Sie vermag sie in ihrem Verlauf zu beeinflussen, indem sie den nötigen Rückhalt in der Bevölkerung und bei politischen Eliten schafft oder sie kann dafür sorgen, dass dieser Rückhalt entzogen wird. Deshalb ist die öffentliche Kommunikation für Militärs zu einem zentralen Aufgabenschwerpunkt geworden.

PR-Agenturen spielen dabei mittlerweile in jedem Krieg eine wichtige Rolle. Sie tauchen über all auf, egal ob in Biafra, Kuwait, Serbien, Kosovo oder Georgien. Sheldon Rampton, Mitbegründer der USamerikanischen Watchdog-Organisation PR-Watch, resümiert über den Irak-Krieg: Dort wird erschreckend klar, wie PR die Öffentlichkeit manipuliert. Stimmen, die nicht ins Kalkül des PR-Auftraggebers passen, werden von der PR-Industrie als Gegner identifiziert, übertönt und ins Abseits gestellt. Dabei ist große PR ein oft unsichtbares, sehr exklusives und sehr teures Instrument. Die breite Öffentlichkeit wird von der PR-Industrie als passive Masse und als Konsumentenpool wahrgenommen, die es zu indoktrinieren gilt. Das ist von einem demokratisch-partizipativen Kommunikationsverständnis weit weg.″

Dass es der Bush-Regierung nur gelang in den Irak-Krieg zu ziehen, weil die Öffentlichkeit davon überzeugt war, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen und habe beim Attentat auf das World Trade Center mitgewirkt, ist heute weithin bekannt. - Das all das auf einer klug durchgezogenen Propaganda- Kampagne beruhte, bei der unter anderem die Randon-Group mitwirkte, eher nicht. PR-Firmen spielten die Bälle für die US-Regierung und schürten eine Stimmung, die von Gerüchten, Vermutungen und Ängsten beherrscht war, erklärt Rampton. Jeder neu lancierten Behauptung und Geschichte folgte eine reiche Ernte an Medienreaktionen. Journalisten haben bei derart designter Kommunikation kaum eine Chance Hintergründe zu recherchieren. In ihrer Hatz nach exklusiven und aktuellen Informationen werden sie einfach als PR-Multiplikatoren verplant. PR-Unternehmen wie Carma International sind sogar darauf spezialisiert, für die Botschaften ihrer Klienten die passenden Journalisten zu finden. Sie erstellen, so PR-Watch, auf Anfrage Dossiers über Journalisten, in denen vom Profil ihrer Beiträge über ihre Familiengeschichte bis hin zu ihren Hobbys alles analysiert wird."

Berichterstattung zum Georgienkrieg

"Auch im Krieg zwischen Georgien und Russland schwiegen die Propaganda-Waffen nicht. Georgier als auch Russen beauftragten einflussreiche PR-Firmen, um die Deutungshoheit darüber zu erlangen, wer wen angegriffen hat″, berichtet Cerstin Gammelin in der Süddeutschen Zeitung. Das Brüsseler PRUnternehmen aspect consulting arbeitete für Georgien. Der Presse sollte vermittelt werden, das kleine, friedliche Georgien mit seiner jungen Demokratie sei vom großen russischen Bären attackiert worden″, erklärt der Chef von aspect consulting der SZ. Er solle die demokratische Entwicklung Georgiens in westlichen Medien besser kommunizieren. Das große Ziel der Auftraggeber sei der Nato-Beitritt, den gelte es vorzubereiten. aspect consulting arbeitete schon im Konflikt um die Ölplattform Brent Spar für Shell, für McDonald′s während der Krise um BSE-verseuchtes Rindfleisch oder dafür, die Bedenken von Gegnern gentechnisch manipulierten Saatguts wegzuargumentieren.

Gplus europe, eine Brüssler Tochter des New Yorker PR-Riesen Ketchum, arbeitet hingegen für die andere Seite, die russische Regierung. Allerdings sei Moskau in punkto PR mindestens zehn Jahre hinter dem Westen″, klagt ein Insider. Außenminister Sergej Lawrow kam beispielsweise erst vier Wochen nach Ausbruch des Krieges zu dem Schluss, die Welt müsse erfahren, was wirklich geschehen ist″.

Unterdessen erklärt der Chef von aspect consulting, in dieser emotional aufgeladenen Atmosphäre″ könne es schon mal passieren, dass Falschmeldungen an die Presse gehen. So meldetet die PR-Firma, die Russen hätten Gori eingenommen, was zu diesem Moment nicht stimmte, oder Tieffliegerangriffe und Bomben auf Tiflis. – Das waren offensichtlich Missverständnisse″, so der PR-Manager. Gammelin sieht das allerdings etwas anders. Sie erklärt, diese Täuschungsmanöver der georgischen Regierung waren nicht die ersten. So ließ diese schon bei der Präsidentenwahl im Mai in Tiflis verbreiten, ein Bus mit georgischen Wählern sei in Abchasien brutal angegriffen worden. Ausländische Journalisten wurden aus Tiflis abgezogen und in die Ferne geschickt, gerade, als die Opposition in Tiflis gegen das angeblich gefälschte Wahlergebnis demonstrieren wollte. Der Überfall stellte sich als inszeniert heraus.″

02.12.2008