Pakistans Präsident erhält seine Belohnung

Man hat seine Freunde. US-Präsident Bush zählt Pervez Musharraf dazu, den Präsidenten Pakistans. Was Präsident Bush immer noch fehlt (nämlich eine Stimmenmehrheit bei der Wahl), genießt Musharraf (nach seinem Putsch) im Überfluss. So um die 98% nämlich. Man könnte Musharraf auch als Militärdiktator bezeichnen. Aber zum Diktator wird man bei uns erst, wenn man nicht mehr nützlich ist oder im Wege steht. Man nennt das neuerdings auch den Saddam-Hussein-Effekt.
Jetzt steckt Musharraf noch mitten in der Phase des Musterschülers. Im Krieg gegen Afghanistan war er ein treuer Verbündeter. Bush lobt ihn: Seit dem 11. September 2001 habe die Regierung Musharrafs mehr als 500 afghanische Taliban-Mitglieder und Kaida-Terroristen verhaftet. Deshalb: "General Musharraf ist ein mutiger Führer und Freund der USA."

Wer mit uns die Terroristen jagt, ist unser Freund. Das ist die simple Losung der amerikanischen Außenpolitik. Also jagt Musharaff immer weiter. Hier und dort und seit neuestem wieder direkt in Afghanistan, was die Lage dort weiter destabilisiert. Handelt es sich bei den Opfern dieser Jagd wirklich um Mitglieder von Al Kaida? Unwahrscheinlich. Denn nach allen Informationen handelt es sich dabei höchstens um etwa tausend Personen, eher weniger. Aber Musharraf nutzt die Gunst der Zeit und rechnet auch gleich mit den Gegnern seines eigenen Regimes ab: Alles "Terroristen".

Dabei ist er so fleißig, dass Bush persönlich ihm zwei Große Fleißkärtchen überreichte. Einen Schuldennachlaß von 1 Mrd. Dollar und einen Scheck über 3 Mrd. Dollar. Die als "Wirtschafts- und Militärhilfe" deklarierten Auftragsgelder dienen vor allem dem Kauf von Waffen in den USA und der Aufrechterhaltung des Militärapparats. Der Kampf gegen den "Terrorismus" wird dabei immer mehr ein Kampf gegen die "islamischen Fundamentalisten", von denen die kritische Opposition sagt, sie seien ein bewußtes Produkt der Musharraf-Politk. Die Welt am 12. Juli: "Nun könnten die Fundamentalisten dem Militär als potentieller Vorwand dienen, wieder die absolute Kontrolle im Land an sich zu reißen. Pakistans Armee, so meinen einige Analysten, hält absichtlich die Bedrohung einer fundamentalistischen Anarchie in Pakistan aufrecht, um ihre Autorität auf Dauer zu rechtfertigen." Diese "Autorität" nennt man auch Militärdiktatur.

Sage mir, wer deine Freunde sind, und ich sage dir, was du bist.

PS: Musharraf besuchte Anfang Juli 2003 auch Deutschland. Kanzler Schröder erklärte nach dem Gespräch, "neben den sehr guten politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Pakistan könnten und sollten die Wirtschaftsbeziehungen weiter gestärkt werden."
12.07.2003