Verteidigung? - Provokation? - verschleierte Vorbereitung zum Angriff?

Immer größere NATO-Manöver an Russlands Grenzen
23.6.2018: Tausende US-Soldaten und –Militärfahrzeuge landeten Anfang Juni in Antwerpen und fuhren dann auf Schienen und Straßen quer durch Deutschland. Weitere 55 Kolonnen der US-Armee fuhren von Süddeutschland nach Polen und ins Baltikum. Die Bundeswehr schickte mit etwa 12.000 Soldaten dreimal so viele wie im Vorjahr. Alle trainierten Truppenverlagerung nach Osten und führten direkt an der russischen Grenze die bisher umfangreichsten Großmanöver der NATO durch. In den Medien wird uns vermittelt, dass das alles erforderlich ist, um die Abwehr russischer Streitkräfte″ zu üben. Der Friedenskreis Castrop-Rauxel führte mit einem Flugblatt am 23.6.2018 aus, dass das Bild vom aggressiven Russland und dem Westen, der sich dagegen nur verteidigt, bei einer genaueren Betrachtung Risse bekommt:

Das gilt für die Annektierung der Krim

Sie wird immer wieder als Beweis für die Aggressivität Russlands″ angeführt. Bei genauerer Betrachtung handelt es sich erstens nicht um eine Annektierung (gewaltsame Aneignung), sondern sie folgte einem Referendum der Bevölkerung mit über 95% der Stimmen für einen Beitritt zu Russland. Sie war zweitens nicht Ausgangspunkt der zunehmenden Spannungen zwischen Russland und den NATO-Staaten, sondern bereits die russische Reaktion auf die vorherige einseitige Machtausdehnung des Westens: der Aktionsradius der NATO wurde real bis an die Grenzen Russlands vorgeschoben, obwohl die Nato-Russland-Akte von 1997 verbot, substantielle und permanente Kampftruppen in den neuen Nato-Staaten" zu stationieren. Obwohl dies nur noch formal mit einem billigen Trick eingehalten wird, (die Truppen werden alle neun Monate ausgetauscht),gilt all dieses nicht als Beweis für die Aggressivität des Westens″.

Das gilt für den Vergleich der Militärausgaben
Die NATO-Staaten wollen 2% des BIP für Rüstung ausgeben. Das wären für alle NATO-Staaten zusammen über 1 Billionen US Dollar. Deutschland will dafür seinen Rüstungsetat in den nächsten Jahren bis auf 70 Milliarden verdoppeln. Die USA stecken schon jetzt mit 700 Mrd. Dollar fast zehnmal so viel in mehr Personal und die Modernisierung von konventionellen und Atomwaffen. Russland hatte dem gegenüber mit 61 Mrd. Dollar 2017 nicht nur einen zehnfach niedrigeren Militärhaushalt als die USA alleine, seit 2016 werden die Militärausgaben in Russland jedes Jahr gesenkt. Ist es wahrscheinlich, dass eine Aggression von der Seite ausgeht, deren Rüstung so deutlich geringer ausfällt? Wäre doch Selbstmord.

Das gilt für einen Vergleich der Militärbasen

Mit etwa 1.000 Militärbasen kontrollieren die USA weltweit wichtige strategische Punkte. Etwa 20 davon wurden in der letzten Zeit in Syrien ohne Zustimmung der legitimen Regierung aufgebaut. Russland hat insgesamt 20, davon befinden sich mit Zustimmung der jeweiligen Regierung 2 in Syrien und 1 in Vietnam, die restlichen in ehemaligen Sowjetrepubliken. Warum wird Russland als bedrohlich″ bezeichnet, die USA aber nicht?

Das gilt für einen Vergleich der Militärmanöver

Seit 2012 führen die NATO und ihre Verbündeten unter der Führung der USA immer mehr und größere Manöver durch. Ein großer Teil findet an der vorverlagerten Ostgrenze der NATO statt. Trainiert werden dabei auch Fähigkeiten, die nicht im Verteidigungsfall, sondern bei einer Invasion gefragt sind (so aktuell das Üben von Flussquerungen mit Pontonbrücken und das Anlanden an Küsten mit Luftkissenschiffen), ohne dass in den mainstream-Medien darin eine US-amerikanische Provokation gesehen wird. Große russische Manöver finden zwar grenznah zur Ukraine, zu Polen oder zu Nordkorea statt, aber vorwiegend auf eigenem Territorium. Zusätzlich werden allerdings seit der Bombardierung Serbiens durch die NATO auch große gemeinsame Manöver mit Weißrussland durchgeführt und in der Ostsee Raketenabwehr geübt. Warum gilt für Russland, es provoziere mit diesen Machtdemonstrationen den Westen, aber nicht für die NATO, dass ihre Großmanöver vor den Türen Russlands die legitimen Sicherheitsinteressen dieses Landes verletzen?

Wohin führt die Eskalation?
Die NATO schiebt ihren politischen Einfluss und ihren Militärapparat bis an die Grenzen Russlands vor. Sie stationiert modernisierte Atomwaffen und einen Raketenabwehrschirm, welcher Russlands Atomwaffen neutralisieren soll und der NATO so die atomare Erstschlagsfähigkeit ermöglicht.

Gleichzeitig hat sie nach einer kurzen Phase der Verständigung auch ihr altes Feindbild wiederbelebt, das uns in den Medien nun überall entgegentritt und Russland zum alleinigen Aggressor stempelt. Russland verstärkt nach vergeblichen diplomatischen Initiativen ebenfalls seine militärischen Abwehrfähigkeiten mit neuen Raketen, die alle gegen Russland gerichteten Nato-Stellungen erreichen können. Die Gefahr einer militärischen Konfrontation bis hin zu einem Atomkrieg wird immer realer. Dieser Teufelskreis muss durchbrochen werden.

Sicherheit in Europa gibt es nur MIT und nicht GEGEN Russland.

Die Forderung nach Rückkehr zu politischen Konsultationen und Zusammenarbeit statt Konfrontation durch Wirtschaftssanktionen und militärische Drohkulissen muss zu einer breiten öffentlichen Debatte werden.
23.06.2018